Dr. Karl-Heinz BauerPerimenopause & Menopause, zur Startseite

Schwerpunkt · ADHS & Menopause

ADHS in Perimenopause und Menopause

ADHS, hormonelle Veränderungen – oder beides?

Für
Frauen mit bekannter ADHS oder erstmaliger ADHS-Frage
Praxis
Bahnhofstrasse 3, 8610 Uster

Viele Frauen erleben in der Perimenopause Veränderungen von Schlaf, Stimmung, Konzentration und Belastbarkeit. Frauen mit ADHS können gleichzeitig Veränderungen ihrer bekannten ADHS-Symptomatik wahrnehmen. Andere Frauen fragen sich erstmals in dieser Lebensphase: «Habe ich vielleicht ADHS?»

Sonniger Waldweg im Herbst, der sich in zwei Richtungen teilt

Zwei unterschiedliche Ausgangssituationen

1. ADHS ist bereits bekannt
Eine Frau mit diagnostizierter ADHS bemerkt beispielsweise während der Perimenopause stärkere Konzentrationsprobleme, mehr Vergesslichkeit, Schwierigkeiten mit Organisation, emotionale Veränderungen, geringere Belastbarkeit, Schlafprobleme oder eine stärkere subjektive Überforderung. Dann stellt sich die Frage: Was hat sich verändert – und warum?
2. Die Frage nach ADHS entsteht erstmals
Eine andere Frau hatte bislang keine ADHS-Diagnose. In der Lebensmitte treten Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit oder organisatorische Schwierigkeiten stärker in den Vordergrund. Vielleicht erkennt sie sich zusätzlich in Berichten anderer Frauen mit ADHS wieder. Dann lautet die Frage: Handelt es sich um eine bislang nicht erkannte ADHS – oder sind die Beschwerden erst im Zusammenhang mit Perimenopause, Schlaf, Psyche oder anderen Faktoren entstanden?

Gerade hier ist eine differenzierte medizinische und psychologische Betrachtung wichtig. Denn:

Nicht jede Konzentrationsstörung ist ADHS.

Nicht jede Veränderung ist hormonell.

Perimenopause

ADHS beginnt nicht mit der Menopause

Dieser Punkt ist diagnostisch entscheidend. ADHS ist eine neuroentwicklungsbezogene Störung. Für eine ADHS-Diagnose reicht deshalb nicht aus, dass während der Perimenopause erstmals Konzentrationsprobleme auftreten. Die Entwicklungsgeschichte muss einbezogen werden. Relevant können beispielsweise sein:

  • Kindheit
  • Schule
  • Ausbildung
  • Studium
  • Berufliche Entwicklung
  • Frühere Probleme mit Aufmerksamkeit und Organisation
  • Impulsivität
  • Alltagsstruktur
  • Beziehungen
  • Langjährige Kompensationsstrategien

Die Frage lautet deshalb nicht nur: «Wie geht es mir heute?» Sondern auch: «Gab es dieses Muster bereits früher in meinem Leben?»

ADHS bei Frauen

Was kann ähnlich aussehen?

Verschiedene Beschwerden können subjektiv wie eine Verschlechterung von ADHS wirken. Dazu können beispielsweise gehören:

Schlafstörungen
Schlechter Schlaf kann Konzentration, Gedächtnis, Stimmung und Belastbarkeit beeinträchtigen.
Vasomotorische Beschwerden
Nächtliche Hitzewallungen und Schweissausbrüche können den Schlaf zusätzlich stören.
Depression
Depressive Symptome können Konzentration, Motivation, Antrieb und geistige Leistungsfähigkeit verändern.
Angst und innere Unruhe
Auch Angst kann Konzentration und Alltagsfunktion erheblich beeinflussen.
Psychosoziale Belastung
Beruf, Familie, Partnerschaft, Pflegeverantwortung oder andere Veränderungen können gleichzeitig eine erhebliche Belastung darstellen.
Körperliche Erkrankungen
Auch körperliche Faktoren müssen bei entsprechender Symptomatik berücksichtigt werden.

Psyche, Schlaf und Brain Fog

Welche Rolle spielen Hormone bei ADHS?

Diese Frage wird wissenschaftlich zunehmend untersucht. Es gibt Hinweise darauf, dass Veränderungen der Sexualhormone mit Veränderungen von ADHS-Symptomen bei Frauen zusammenhängen könnten. Die bisherige Evidenz ist jedoch begrenzt. Für die Menopause liegen deutlich weniger belastbare Daten vor als für manche anderen hormonellen Lebensphasen.

Deshalb wäre die Aussage «Sinkendes Östrogen verschlechtert ADHS» als allgemeine medizinische Regel derzeit zu einfach. Sinnvoller ist die Frage: «Welche Veränderungen erlebt diese Frau – und welche Faktoren können sie erklären?»

Die Forschung zu ADHS bei Frauen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Aktuelle wissenschaftliche Arbeiten untersuchen insbesondere:

  • Menstruationszyklus
  • Schwangerschaft
  • Postpartum-Phase
  • Hormonelle Übergangsphasen
  • Perimenopause und Menopause

Brauche ich einen Hormontest?

Hormontherapie und ADHS-Medikamente

Was ist mit Hormontherapie bei ADHS?
Hier liegt eine besonders wichtige Grenze der derzeitigen Evidenz. Eine menopausale Hormontherapie kann zur Behandlung geeigneter menopausaler Beschwerden eingesetzt werden. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass sie eine Behandlung der ADHS darstellt. Eine Hormontherapie sollte deshalb nicht allein mit dem Versprechen begonnen werden: «Damit wird Ihre ADHS besser.» Wenn gleichzeitig behandlungsbedürftige menopausale Beschwerden bestehen, kann unabhängig davon geprüft werden, ob eine Hormontherapie medizinisch geeignet ist. Die Auswirkungen auf Konzentration und subjektive Funktionsfähigkeit können anschliessend im individuellen Verlauf beobachtet werden.
Was ist mit ADHS-Medikamenten?
Auch hier sollte individuell beurteilt werden. Bei bekannter ADHS können Wirksamkeit, Verträglichkeit, Dosierung und Begleiterkrankungen im Verlauf relevant sein. Bei einer erstmaligen ADHS-Diagnostik in der Perimenopause sollte dagegen zunächst geklärt werden, ob tatsächlich eine ADHS vorliegt und welche anderen Faktoren die Beschwerden beeinflussen. Die Behandlung sollte sich nicht allein an einem einzelnen Symptom wie Konzentrationsschwäche orientieren.

Die entscheidende Differenzialdiagnostik

Bei Konzentrationsproblemen in Perimenopause und Menopause können beispielsweise betrachtet werden:

  • ADHS
  • Menopausale Beschwerden
  • Schlaf
  • Depression und Angst
  • Psychosoziale Belastungen
  • Körperliche Faktoren
  • Medikamente
  • Individuelle Ressourcen und Kompensationsstrategien

Nicht jede Frau benötigt jede Untersuchung. Entscheidend ist die individuelle Fragestellung. Gerade diese Fragestellung liegt an der Schnittstelle verschiedener Fachgebiete.

Gynäkologie
Einordnung von Perimenopause, Menopause und gynäkologischen beziehungsweise hormonellen Faktoren.
Psychologie
Entwicklungsgeschichte, Verhalten, kognitive und funktionelle Zusammenhänge.
Psychiatrie und Psychotherapie
ADHS-Diagnostik, psychische Komorbiditäten und Differenzialdiagnosen.
Psychosomatische Medizin
Zusammenspiel körperlicher, psychischer und sozialer Faktoren.

Diese Perspektiven zusammenzuführen, ist ein besonderer Schwerpunkt der Tätigkeit von Dr. Bauer.

Über Dr. Bauer

ADHS oder Menopause?

Bei dieser Frage geht es nicht darum, möglichst schnell eine der beiden Erklärungen auszuwählen. Der sinnvollere Weg lautet:

  1. Welche Beschwerden bestehen heute?
  2. Wann haben sie begonnen?
  3. Welche Symptome bestanden bereits in Kindheit und Jugend?
  4. Was hat sich während der Perimenopause verändert?
  5. Wie sind Schlaf und psychische Gesundheit?
  6. Welche körperlichen und gynäkologischen Faktoren sind relevant?
  7. Welche Medikamente werden eingenommen?
  8. Welche Erklärung passt zum gesamten Verlauf?

Manchmal lautet die Antwort: ADHS. Manchmal: menopausale Beschwerden. Manchmal: eine andere Ursache. Und manchmal: mehrere Faktoren gleichzeitig.

Die differenzierte Betrachtung ist wichtiger als eine vorschnelle Erklärung.

Häufige Fragen

Kann ADHS in der Menopause schlimmer werden?

Frauen mit bekannter ADHS können in der Perimenopause Veränderungen ihrer Symptomatik wahrnehmen. Es gibt Hinweise darauf, dass Veränderungen der Sexualhormone mit Veränderungen von ADHS-Symptomen zusammenhängen könnten; die bisherige Evidenz ist jedoch begrenzt. Auch Schlafstörungen, depressive Symptome, Angst oder psychosoziale Belastungen können subjektiv wie eine Verschlechterung von ADHS wirken.

Kann die Menopause wie ADHS wirken?

In der Lebensmitte können Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit oder organisatorische Schwierigkeiten stärker in den Vordergrund treten. Dann stellt sich die Frage, ob es sich um eine bislang nicht erkannte ADHS handelt oder ob die Beschwerden erst im Zusammenhang mit Perimenopause, Schlaf, Psyche oder anderen Faktoren entstanden sind. Nicht jede Konzentrationsstörung ist ADHS.

Hilft Hormontherapie bei ADHS?

Eine menopausale Hormontherapie kann zur Behandlung geeigneter menopausaler Beschwerden eingesetzt werden. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass sie eine Behandlung der ADHS darstellt. Bestehen behandlungsbedürftige menopausale Beschwerden, kann unabhängig davon geprüft werden, ob eine Hormontherapie medizinisch geeignet ist.

Kann ADHS erst mit 50 beginnen?

ADHS beginnt nicht mit der Menopause. ADHS ist eine neuroentwicklungsbezogene Störung; dass während der Perimenopause erstmals Konzentrationsprobleme auftreten, reicht für eine Diagnose deshalb nicht aus. Es kann sich aber um eine bislang nicht erkannte ADHS handeln. Deshalb muss die Entwicklungsgeschichte einbezogen werden: «Gab es dieses Muster bereits früher in meinem Leben?»

Beratung anfragen

Eine interdisziplinäre medizinische und psychologische Einordnung kann helfen, die unterschiedlichen Faktoren voneinander zu unterscheiden – bei bekannter ADHS ebenso wie bei einer erstmaligen ADHS-Frage in der Lebensmitte. Melden Sie sich über das Formular «Beratung anfragen» oder buchen Sie einen Termin auf OneDoc.